Geschichte Washingtons
Planung und Gründung
Washington entstand nicht wie eine normale Stadt im Laufe der Zeit an einem Verkehrsknotenpunkt oder einem wichtigen Hafen. Washington ist eine Planstadt. Nach der Ratifizierung der Verfassung 1787 tagte der Kongress an verschiedenen Orten, u.a. New York und Philadelphia. Man fasste den Beschluss, einen parmanenten Regierungssitz einzurichten und den Vereinigten Staaten somit eine dauerhafte Hauptstadt zu geben. Für den heutigen Sitz Washingtons, die nach dem ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten benannt ist, sprach die zentrale Lage am Potomac River, ungefähr auf der Grenze von Nord- und Südstaaten. Die Bundesstaaten Maryland und Virginia gaben ein Teil ihres Landes zur Schaffung des neutralen District of Columbia (D.C.) ab.Nach Vorstellungen des Mathematikers Benjamin Banneker und des Landvermessers Andrew Ellicott wurde ein Plan in Form eines 26 km² großen Rechtecks konstruiert, das das gesamte Stadtgebiet Washingtons umfassen sollte. Der Stadtplaner Pierre L'Enfant bekam den Auftrag, einen Grundriss der Stadt anzufertigen und die Lage der repräsentativen Gebäude zu bestimmen, dabei soll der Fächergrundriss von Karlsruhe Vorbild gewesen sein. Die Stadt wurde in vier Quadranten unterteilt, deren Grenzen sich unter dem Kapitol treffen. 1792 wurde mit dem Bau des Weißen Hauses begonnen, ein Jahr später wurde der Grundstein für das Kapitol gelegt. Bis heute kann die Stadt seinen Ursprung, nämlich am Reißbrett entstanden zu sein, nicht leugnen: ein Blick auf den Stadtplan mit seinen strikt parallel und diagonal angelegten Straßen genügt. Auch der Bezirk zwischen Lincoln Memorial, Mall, Weißem Haus und Kapitol zeugen von dem gestalterischen Entwurf durch Menschenhand. Am 11. Juni 1800 wurde Washington schließlich offizell ständige Hauptstadt der USA und hatte circa 5000 Einwohner.
Zerstörung und Zuwanderung
1814 wurde die Stadt von britischen Truppen im Zuge des britisch-amerikanischen Kriegs erobert und Kapitol sowie Weißes Haus teilweise zerstört. Das Ereignis legte seine Schatten für mehrere Jahre über die Stadt, die Frage, ob man überhaupt noch am Fortbestehen der Stadt festhalten sollte, machte die Runde. 1846 wurde der Teil gegenüber des Potomac River an Virginia zurückgeben, da die Bevölkerung nicht wie erwartet gewachsen war. Erst nach dem Ende des Bürgerkriegs 1865 stieg die Einwohnerzahl auf etwa 132000. Das lag vor allem an der Zuwanderung der befreiten Sklaven aus den Südstaaten, die nun in die Städte drängten. 1874 wurde Washington zum Federal District und stand nun direkt unter der Verwaltungshoheit der Regierung. Die Einwohner konnten nicht an den Kongress- oder Präsidentschaftswahlen teilnehmen. Erst 1961 erlangten die Washingtonians ihr Präsidentschaftswahlrecht zurück und konnten erstmals 1974 wieder einen Bürgermeister wählen. Im Zuge der Feierlichkeiten zum 100jährigen Bestehen wurden in der ganzen Stadt Verschönerungen durchgeführt und das Stadtbild den alten Vorgaben L'Enfants angepasst. Auch die vielen Parks, Grünanlagen und Monumente stammen aus dieser Zeit. 1976 wurde das U-Bahn-System eröffnet.Washington heute
Nachdem die Stadtbevölkerung in den 50ern die 800 000-Marke durchbrochen hatte, schrumpfte die Einwohnerzahl auf heutzutage circa 570000. Das liegt vor allem am rasanten Wachstum der Vorstädte und des gesamten städischen Einzugsgebiets auf mittler Weile 3 Mill. Einwohner. Sein Flair erhält Washington durch das überall gegenwärtige politische Klima, das Aufeinandertreffen verschiedenster ethnischer Gruppen, die kulturelle Vielfalt, die nationale Denkmalkultur und die großzügigen Grünanlagen. Die Mischung aus liebenswerter Provinzhauptstadt und geschäftiger Metropole ist charakteristisch. Doch auch Washington hat nicht nur Sonnenseiten: Kriminalität, Armut vor allem unter der schwarzen Bevölkerung, die 70 % der Einwohner ausmacht und die damit verbunden Rassentrennung sind große Probleme.Durch die Anschläge des 11. September 2001 wurde nicht nur die New Yorker Bevölkerung in ihren Grundfesten erschüttert. Zwar gewinnt Washington sein Selbstwertgefühl wieder, allerdings können strikte Sicherheitsvorkehrungen unbeschwertes Sightseeing manchmal einschränken.